Was ist die Funding-Rate bei Perpetual Futures?
Die Funding-Rate ist eine regelmäßige Zahlung zwischen Long- und Short-Tradern, die den Preis von Perpetual Futures am Spot-Markt ausrichtet. Erfahre, wie sie funktioniert.
Die Funding-Rate ist ein Mechanismus, den es nur bei Perpetual Futures gibt. Sie hält den Kontraktpreis am Spot-Kurs (dem tatsächlichen Marktpreis) verankert. Es handelt sich um eine regelmäßige Zahlung, die direkt zwischen Tradern ausgetauscht wird – nicht von der Börse eingenommen –, und sie kann deine Trading-Rendite mit der Zeit spürbar beeinflussen.
Warum es die Funding-Rate gibt
Klassische Futures-Kontrakte haben ein Verfallsdatum. Je näher der Verfall rückt, desto mehr nähert sich der Futures-Preis ganz natürlich dem Spot-Kurs an. Perpetual Futures verfallen nicht, deshalb gibt es keinen natürlichen Angleichungsmechanismus. Die Funding-Rate füllt diese Lücke.
Wenn sich der Perps-Preis zu weit über oder unter den Spot-Kurs bewegt, schafft die Funding-Rate einen finanziellen Anreiz für Trader, ihn wieder in Einklang zu bringen.
So funktioniert sie
Die Funding-Rate wird anhand der Differenz zwischen dem Preis der Perpetual Futures und dem Spot-Indexpreis berechnet. Sie wird regelmäßig angewendet – meist alle 8 Stunden, manche Plattformen nutzen aber auch Intervalle von 1 Stunde.
Positive Funding-Rate
Ist die Funding-Rate positiv, wird der Preis der Perpetual Futures über dem Spot-Kurs gehandelt. Das bedeutet, dass bullische Stimmung vorherrscht.
- Longs zahlen an Shorts
- Das schafft einen Anreiz für mehr Short-Positionen (Verkäufer), was den Perps-Preis wieder Richtung Spot drückt
- Wer bei positivem Funding long ist, zahlt laufende Kosten
Negative Funding-Rate
Ist die Funding-Rate negativ, wird der Preis der Perpetual Futures unter dem Spot-Kurs gehandelt. Das bedeutet, dass bärische Stimmung vorherrscht.
- Shorts zahlen an Longs
- Das schafft einen Anreiz für mehr Long-Positionen (Käufer), was den Perps-Preis wieder Richtung Spot hebt
- Wer bei negativem Funding short ist, zahlt laufende Kosten
Funding-Zahlungen berechnen
Deine Funding-Zahlung berechnet sich so:
Funding-Zahlung = Positionsgröße x Funding-Rate
Zum Beispiel:
- Du hältst eine Long-Position über $10.000
- Die aktuelle Funding-Rate beträgt +0,01 % (positiv)
- Du zahlst: $10.000 x 0,0001 = $1,00 pro Funding-Intervall
Bei 3 Funding-Intervallen pro Tag (alle 8 Stunden) sind das $3,00 pro Tag. Bei einer Position von $10.000 wirkt das wenig. Über einen Monat sind es aber $90 – fast 1 % des Positionswerts. Bei stark gehebelten Positionen, bei denen deine Margin nur ein Bruchteil der Positionsgröße ist, können die Funding-Kosten die Rendite deutlich schmälern.
Höhe der Funding-Rate
Die Funding-Rate schwankt je nach Marktlage ständig:
- Normale Bedingungen: ±0,01 % pro 8 Stunden ist ein üblicher Basiswert
- Bullische Extreme: Bei starken Rallys kann das Funding auf +0,1 % oder mehr steigen – Longs zahlen dann kräftig
- Bärische Extreme: Bei heftigen Ausverkäufen kann das Funding auf -0,1 % oder tiefer fallen – Shorts zahlen dann kräftig
- Neutrale Märkte: Das Funding pendelt um null
Extreme Funding-Rates deuten oft auf eine einseitige Positionierung hin und können heftigen Umkehrungen vorausgehen. Wenn alle long sind und hohes Funding zahlen, braucht es weniger Verkaufsdruck, um eine Kaskade von Long-Schließungen auszulösen.
Strategische Folgen
Funding-Rates zu verstehen, ist nicht nur graue Theorie – es wirkt sich direkt auf deine Trading-Strategie aus:
Für kurzfristige Trader
Wenn du scalpst oder Daytrading betreibst, sind Funding-Rates meist vernachlässigbar. Deine Trades werden innerhalb eines einzigen Funding-Intervalls eröffnet und geschlossen, sodass du womöglich nie Funding zahlst (oder erhältst).
Für Swing-Trader
Wenn du Positionen tage- oder wochenlang hältst, summiert sich das Funding. Bist du während einer längeren Phase mit positivem Funding long, können die Kosten deine Gewinne spürbar schmälern – oder deine Verluste vertiefen. Manche Trader beziehen die Funding-Kosten in die Berechnung von Positionsgröße und Kurszielen mit ein.
Funding-Rate-Arbitrage
Manche Trader nutzen gezielt extreme Funding-Rates aus. Ist das Funding stark positiv, shorten sie vielleicht Perps und kaufen gleichzeitig das Spot-Asset. So kassieren sie die Funding-Zahlungen und bleiben marktneutral. Das nennt man Cash-and-Carry oder Basis-Trade.
Als Stimmungsindikator
Die Funding-Rate gibt einen Einblick in die Positionierung des Marktes. Anhaltend hohes positives Funding deutet darauf hin, dass der Markt auf der Long-Seite überhebelt ist, was auf Anfälligkeit für eine Korrektur hinweisen kann. Anhaltend negatives Funding kann auf bärische Erschöpfung und eine mögliche Erholung hindeuten.
Funding im kompetitiven Trading
Auf Legend, wo die Ranglistenplätze über den PNL entschieden werden, verschafft dir das Wissen um die Funding-Rate einen Vorteil. Ein Trader, der eine Position über mehrere Funding-Intervalle hält, muss diese Zahlungen in seiner Gesamtstrategie berücksichtigen. Erfahrene kompetitive Trader beobachten Funding-Rates nicht nur als Kostenfaktor, sondern als strategischen Input, der ihre Richtungseinschätzung und ihr Timing prägt.